Was wäre eine Sprache ohne Schrift?
Das muss Tolkien als begeisterter Linguist auch gedacht haben, als er die Sprachen Ardas erschuf.
Warum sollten Elben, Zwerge und Menschen mit ihren hoch entwickelten Kulturen nicht des Schreibens mächtig sein, wo doch vor allem Elben und Zwerge auf tausende von Jahren ihrer Geschichte zurückblicken können.
Wie sollten all die Sagen und alten Geschichten über Beleriand, Valinor und Durins Volk überliefert werden, nachdem nur noch wenige Augenzeugen in Endor weilten?
Wohl um all diese Fragen zu beantworten schuf Tolkien die Cirth, Tengwar und Sarati.
Die Cirth (Sindarin: Runen) und Tengwar sind die Schriften, die von den Elben erfunden und von den Zwergen und Menschen übernommen wurden. Mit der Zeit durchliefen sie die unterschiedlichsten Modifikationen und wurden immer wieder anderen Sprachen angepasst. Sie wurden jedoch immer als Lautschriften verwendet.
Die Sarati, ebenfalls eine Lautschrift, waren jedoch nur den Elben Amans bekannt und erreichte nie Mittelerde. Sie ist die älteste aller Schriften Ardas und wurde von Rúmil von Tirion entwickelt. Auf ihrem Prinzip basiert auch das System der später entwickelten Tengwar.
Rúmil erfand dieses Schriftsystem im Jahr 1179 des Ersten Zeitalters. Es unterschied sich in vielen Eigenschaften von allen später geschaffenen Schriften. So wurde es von oftmals von oben nach unten und von rechts nach links in Spalten geschrieben.
Auf das von Rúmil erfundene Grundsystem der Sarati baute Feanor bereits 1250 EZ sein eigenes Schriftsystem, die Tengwar, auf.
Nach seiner Idee bestand jeder Tengwa aus einem Strich, dem telco, und einem Bogen, dem luva. Durch Kombination dieser beiden Elemente ließen sich alle für das Sindarin benötigten Laute darstellen. So gibt der telco an, ob es sich bei dem Zeichen um einen Reiblaut handelt oder nicht (telco nach oben = Reibelaut). Der luva ermöglicht durch unterschiedliche Postionierung die Unterscheidung der einzelnen Tengwar. Ist der luva unten durch einen Strich geschlossen, so zeigt das an, dass es sich um einen Libial handelt (Lippen werden zum Sprechen benutzt; z.B.: P). Ein unten offener luva bezeichnet einen Dental (Zunge liegt beim Sprechen an den Zähnen; z.B.: T), während ein oben geschlossener luva auf einen Guttural (Luftblockade wird am Kehlkopf aufgebaut; z.B.: G) hinweist.
An dieser Systematik lässt sich erkennen, dass Feanor keineswegs ein Alphabet (beliebige Folge von Lauten) erfunden hat, sondern ebenso wie Rúmil ein System zur Abdeckung möglichst vieler Laute geschaffen hat.
Trotz der sehr logisch aufgebauten Zeichen, war die Schreibweise der Tengwar jedoch nicht zwangsläufig einheitlich. Da Elben beidhändig waren konnten sie stets frei wählen welche Hand sie zum schreiben verwenden wollten. Wurde die rechte Hand gewählte, so wurde von links nach rechts geschrieben, um die gerade gezeichneten Tengwar nicht mit der Hand zu verdecken. Wurde jedoch mit der linken Hand geschrieben, so wurde auch die Schreibrichtung und die Ausrichtung der Tengwar geändert - sämtliche Zeichen wurden gespiegelt. Beispiele: tengwar zuerst von links nach rechts
und dann von rechts nach links
.
Die von Feanor angegebene Form der Tengwar (die für die Schreibweise von links nach rechts ausgelegt war) wurde jedoch als die richtigere erachtet. Demzufolge wurde in die allermeisten Fällen von links nach rechts geschrieben.
Neben den Tengwar aus telco und luva gibt es noch einige, die sich nicht in dieses Schema einordnen lassen. So werden Vokale in der Regel als tehtar über Konsonanten geschrieben, da sie nicht als vollwertige Phoneme gezählt werden. Sie dienen nur dazu den Klang der Konsonanten zu verändern.
Die Schriftzeichen andere Konsonanten wie R oder S, die erst mit der späteren Verbesserung der Tengwar eingeführt wurden orientieren sich ebenfalls nicht mehr an dem ursprünglichen System.
Als die Noldor im Ersten Zeitalter aus Aman auszogen und über die Helcaraxe und das Belegaer nach Beleriand gingen trafen sie dort die Moriquendi wieder von denen sie sich vor langer Zeit auf ihrer Reise nach Aman getrennt hatten.
Durch die lange Trennung hatten sich die Sprachen der Elbenvölker auseinanderentwickelt und die Neuankömmlinge, die Quenya sprachen, lernten die Sprache der Elben von Beleriand, das Sindarin.
Da die Tengwar Feanors jedoch auf das Quenya ausgelegt waren wurden sie modifieziert und umgestaltet, sodass der Beleriand-Modus entstand, der für das Schreiben in Sindarin geeignet war. Jede Variante der Tengwar die von nun an erschaffen wurde, wurde als ein Modus bezeichnet. Der andere Modus der entstand war der Tehtar-Modus des Sindarin, der hauptsächlich von den Noldor verwendet wurde, da er noch große Ähnlichkeit mit dem Quenya-Modus besaß.
Die Moriquendi hatten vorher jedoch schon, unabhängig von den Tengwar, ihre eigene Schrift entwickelt: Die Cirth, eine Runenschrift, die zum einritzen in Stein und Holz gedacht war. (später mehr dazu)
Die Tengwar verdrängten die Cirth fast vollständig aus dem Gebrauch der Elben, sodass sie von da an hauptsächlich von den Zwergen verwendet wurden. Neben der üblichen geschwungenen Form der Tengwar, die eher einer Schreibschrift entspricht war aber auch eine kantige Variante bekannt, die sich zum Einritzen in Stein oder Holz eignete.
Für die Verwendung der Tengwar sind nach wie vor viele Beispiele bekannt. Besonders im Beleriand-Modus sind viele Schriftstücke erhalten, die zum größten Teil elbische Gedichte enthalten. Aber auch die berühmte Inschrift am Westtor von Moria ist im Beleriand-Modus verfasst:
ennyn durin aran moria;
pedo mellon a minno.
im narvi hain echant;
celebrimbor o eregion
teithant i thiw hin.
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Die Türen von Durin, dem Herrn von Moria;
Sprich Freund und tritt ein.
Ich, Narvi, machte sie;
Celebrimbor von Eregion
zeichnete diese Buchstaben
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Zu den bekanntesten Schriftenzeugnissen der Tengwar zählt natürlich auch der Eine Ring, auf dem der Ringspruch steht:
ash nazg durbatulûk
ash nazg gimbatul
ash nazg thrakatulûk
agh burzumishi krimpatul
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Ein Ring sie zu knechten
Sie alle zu finden
Ins Dunkel zu treiben
Und ewig zu binden
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Diese Inschrift ist jedoch in einer speziellen Schrift verfasst: Der Schrift der schwarzen Sprache Mordors.
Diese Schrift stellt auch wieder nur eine geringe Verändung gegenüber dem Tehtar-Modus des Sindarin dar, ist aber der schwarzen Sprache angepasst worden. Sie wurde nur sehr selten verwendet, da nur die wenigsten Kreaturen Mordors der schwarzen Sprache oder gar ihrer Schrift mächtig waren. Daher ist mir kein weiteres Schriftzeugnis dieses Tengwar-Modus bekannt.
Im ersten Zeitalter übernahmen auch die Edain die Schrift von den Elben die sie in Beleriand antrafen. Die Númenórer, die im zweiten Zeitalter nach der Zerstörung Beleriands von Númenor aus Mittelerde besiedelten, hielten sich ebenfalls an das Schriftsystem der Elben. Mit der Zeit wurde es jedoch auch an die Eigenheiten des Adûnaischen und Westrons, den Sprachen der Menschen, angepasst. So ist beispielsweise bekannt, dass die Schreiber Gondors im dritten Zeitalter eine spezielle gondorianische Form der Tengwar verwendeten. Worin genau die Veränderungen der gondorianischen Form lagen weis ich jedoch nicht.
Die Cirth, welche als Runen zum Einritzen in Stein und Holz verwendet wurden, erfand der Grauelb Daeron im Ersten Zeitalter an König Thingols Hof in Beleriand.
Der Sindar Daeron war ein berühmter Gelehrter und Barde seiner Zeit. So wird ihm bespielsweise auch das Leithian-Lied zugeschrieben.
Seine Runen sind, zumindest in ihrer Grundform, ebenso nach einem einheitlichen Schema aufgebaut wie die Tengwar. So zeigt ein horizontales Spiegeln der Rune an, dass sich ihr Laut zu einem Reiblaut verändert (z.B.: D zu DH). Ein Zweig steht für meist für einen stimmlosen Laut (z.B.: T) während zwei Zweige einen stimmhaften Laut (z.B.: D) stehen.
Unter Einfluss der von den Noldor eingeführten Tengwar wurden die Cirth von Daeron neu geordnet und fortan als Angerthas Daron (Sindarin: Langrunen des Daeron) bezeichnet.
Durch den Gebrauch dieser Runen in Eregion gelangten sie nach Moria und wurden von den Zwergen übernommen. Die Zwerge passten das System an ihre Sprache, das Khuzdul, an, woraufhin diese Runenreihe Angerthas Moria genannt wurde.
Im Dritten Zeitalter wecken die Zwerge von Moria in ihrer Gier nach Mithril den Balrog in seinem Versteck tief unter dem Nebelgebirge. Nachdem ihr König Náin I. gefallen ist fliehen die Zwerge aus Moria. Einige von ihnen ziehen zum Erebor, wo Thráin I. im Jahre 1999 DZ das Zwergenkönigreich "unter dem Berg" gründet.
Dort entwickelte sich eine weitere Abwandlung der Cirth: Das Angerthas Erebor, dass teilweise ein Weiterentwicklung des Angerthas Moria ist, teilweise aber auch eine Rückkehr zu den Formen des Angerthas Daeron darstellt.
Von anderen Völkern ist bekannt, dass sie sogar gegen Ende des Dritten Zeitalters noch immer sehr einfache Runenschriften verwendeten. So schrieben die Menschen von Thal und die Rohirrim wohl immer noch in einer Abwandlung des Certhas Daeron.